Epistula

Wir haben unsere "epistula" von Print auf Online umgestellt. Hier finden sich regelmäßig Nachrichten aus der Unipfarre und die Veröffentlichung der aktuellen Predigtreihe. Dies hier ist aber auch ein Freiraum für eigene Beiträge. Wenn Du einen Text beitragen möchtest, ein Gebet, Gedanken, schreibe uns einfach an office@unipfarre.at

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Wegweisung

Wegweisung wünschen wir uns heute auch, wer hätte nicht gern mehr Klarheit, in dem was er tun soll und will. Wegweisung heute ist nicht anders als zur Zeit Jesu, das heißt, auf ihn hören, verstehen, was er von jedem von uns will und erkennen, ob und dass dies der eigene Weg und Auftrag in der Gesellschaft ist.

Den Lesungstexten der Sonntage bis Pfingsten ist eines gemeinsam, es geht um Wegweisung. In der Apostelgeschichte lernen die Jünger Jesu eigene Wege zu gehen, Gefahren der Verzettelung zu vermeiden. In den Petrusbriefen werden die Adressaten auf ihre Hoffnung aufmerksam gemacht, die manchmal hilft, die Richtung des eigenen Lebens zu halten, die manchmal hilft das An-der-Welt-Leiden auszuhalten. In die gleiche Richtung gehen die Evangeliumsstellen. Ob Jesus von sich als gutem Hirt redet, Thomas den Weg weist und Philippus den Vater zeigt, indem er auf sich und seine Beziehung zum Vater verweist, vom Beistand redet, den Gott senden wird, seinen Jüngern den „letzten“ Auftrag gibt, alles mündet in der gemeinsamen Sendung zu Pfingsten, am Reich Gottes mitzubauen.
 

Berührende Hilfen

In den drei Sonntagen nach Ostern geht es darum, dass der auferstandene Jesus den Frauen und seinen Jüngern begegnet, und sie ihn nicht erkennen. Das Grab ist ohne Körper, ohne Leichnam, aber diese Körperlosigkeit ist noch zu wenig Schlüssel, um die neue Seinsweise Christi zu verstehen. Maria will von den Engeln, die am Grab sitzen, und von Jesus, den sie nur als Gärtner erkennt, den toten Leichnam ihres Herrn zurück. Die Körperlosigkeit irritiert sie. Als sich ihr der Auferstandene zu erkennen gibt, will sie ihn festhalten, doch er entzieht ihr seine Körperlichkeit – noli me tangere (Halt mich nicht fest.) Am darauffolgenden Sonntag wird die Körperlichkeit des Auferstandenen der Schlüssel zur Erkenntnis für Thomas. Er verknüpft zunächst seinen Glauben daran, dass er ihn berühren kann. Das bessere, so sagt Jesus, ist jedoch zu glauben ohne sehen und berühren zu müssen. Die Emmausjünger lassen sich von Jesus auf dem gemeinsamen Weg die ganze Geschichte erklären und erkennen ihn doch nicht. Erst beim Mahl, als der Auferstandene den Leib Brot bricht, der er selber ist, wird für sie die gebrochene Körperlichkeit zum Erkennungszeichen.

Es ist berührend, wie Jesus seinen Jüngern auf die Sprünge helfen will. Die Berührung, der Körperkontakt spielt dabei eine wesentliche Rolle für den Erkenntnisgewinn, was Auferstehung bedeutet.

Lohn

In den Kartagen von Palmsonntag bis zur Osternacht lesen wir die Passion nach Matthäus. In ihr spitzt sich alles auf Tod und Auferstehung zu, damit sich erfüllt, was die Schrift verheißen hat. Jesus nimmt am Palmsonntag den Tempel in Besitz, doch muss er die Händler und Geldwechsler vertreiben. Sie erhalten den Lohn für ihre Maßlosigkeit. Doch auch Jesus wird wegen der Hosannarufe des Volkes von den Schriftgelehrten zur Rede gestellt. Für diesen Angriff erhalten auch sie den Lohn, Jesus lässt sie einfach stehen und geht weg.
Am Gründonnerstag verrät Judas Iskariot Jesus an die Hohenpriester und erhält dafür seinen Lohn, 30 Silberstücke. Jesus zwingt ihn, das vor den Jüngern, noch vor dem Lobpreis über Brot und Wein, zu bestätigen. Mit dem Sprichwort „Undank ist der Welten Lohn“ ließe sich die Voraussage der Verleugnung des Petrus und das Schlafen der Jünger in Getsemani ausdrücken. Sie alle können im entscheidenden Moment nicht zu Jesus stehen, und er muss es ihnen auch noch zusagen.
So wird der Gründonnerstag zur Vorbereitung dessen, was am Karfreitag in der Verdichtung der Ereignisse geschieht. Die Verhaftung, mit allen Begleiterzählungen, die Vorführung vor dem Hohen Rat und dann vor Pilatus, die Freilassung des Barnabas statt Jesu, eingeschoben der Tod des Judas und der Kauf des Blutackers mit seinem Lohn, bis hin zur Verhöhnung am Kreuz – alles das erscheint wie ein Lohn für Vorhergegangenes, hier wird immer vergolten, abgegolten, abgerechnet. Der Hauptmann, der bekennt „Wahrhaftig, das war Gottes Sohn!“ wir mit dieser Einsicht belohnt, damit das Gottesbekenntnis aus neutralem Munde und nicht von jemandem aus dem Jüngerkreis kommt.
Die Aufsprengung des Felsengrabes, durch einen Engel, der den Stein wegwälzt, offenbart ein leeres Grab. Für ihren Schrecken werden die Frauen belohnt, der Auferstandene begegnet ihnen. So werden sie zu ersten Zeuginnen der Auferstehung.