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Hochfest Christkönig
23. November 2025
Der Beginn des Evangeliums ist schon etwas peinlich. Jesus, der sich als Menschensohn, als Messias, als Sohn Gottes bezeichnet, er wird verlacht von den Mächtigen, verspottet von den Soldaten, gequält von den Mitläufern. Und dann auch noch von einem Verbrecher schwach angeredet. Stell dir vor, du bist der von Gott gesandte Sohn Gottes, und dann das! Kein Unternehmen würde in der PR-Arbeit solche Dinge vom Chef erzählen. Jesus, der König der Juden. Christus, der König. Schon etwas peinlich.
Genau heuer vor 100 Jahren hat Papst Pius XI das Hochfest Christkönig eingeführt. Wenige Jahre zuvor waren mit dem Ende des Ersten Weltkriegs einst mächtige Monarchien Europas untergegangen. In Österreich-Ungarn, in Deutschland, in Russland und in der Türkei. Es gab keinen Kaiser mehr, keinen Zaren, keinen Sultan. Es ist eine unruhige Zeit, viele Fragen sind offen. Der erste Weltkrieg hat eine Spur der Verwüstung und der Erschütterung geschlagen. Wie geht es in Europa nach diesem verheerenden Krieg weiter? Die irdischen Könige stehen vor einem Trümmerhaufen.
Und genau da kommt das Statement der Kirche: Christus ist unser König. Nicht ein weltlicher Herrscher, sondern der göttliche Herr. Allzu leicht hat sich die Kirche ja nicht getrennt von der Verwobenheit mit der irdischen Macht. Aber in diesem Moment war das ein Zeichen, an dem man sich orientieren konnte. Christus, der König, ist noch da. Weltliche Macht ist das Eine. Die letztlich entscheidende Größe ist der Herr.
Das Christkönigsfest war auch ein prophetisches Statement im aufkommenden Nationalsozialismus. Da wurde ein neuer „König“ geboren, ein Stern am Himmel, ein „Erlöser“ aus dem Elend der Zeit. In den Jahren des Nationalsozialismus war das Christkönigsfest ein ganz zentraler Tag. Ein Bekenntnistag. Große Jugendtage wurden veranstaltet. „Nicht dem Führer folgen wir, sondern Christus.“ Das Fest Christkönig war ein Kraftort christlichen Widerstands. Jede irdische Macht ist vorläufig. Der eigentliche Orientierungspunkt ist Christus allein.
Wird, so gesehen, das Christkönigsfest wieder aktueller? Es erstehen derzeit so viele Heilsbringer, Machthaber, Egomanen, Herrscher, die alle Macht an sich ziehen oder reißen, Könige. An Christkönig wird sichtbar: Ein göttlicher König gibt Orientierung, Klarheit. Er relativiert irdische Machtansprüche und Machtauftritte. Das Fest spricht dem die Macht zu, der sie tatsächlich hat. Alles, was nach Machtgeilheit riecht, führt in die verkehrte Richtung. Wenn die Macht unkontrolliert in die Hände einiger Weniger kommt, dann ist Vorsicht angesagt! Angesagt ist ein achtsamer und verantworteter Umgang mit Macht. Und Selbstbescheidung.
Um ganz ehrlich zu sein: Die Kirche ist ja auch manchmal gefährdet, Könige zu produzieren. Menschen, die sich selber in den Mittelpunkt stellen. Kleine Herrscher, die auf Kosten der anderen ihre Macht hochhalten und ausbauen. Als Kirche lernen wir gerade, dass Macht auch eine Schattenseite hat. Immer wieder poppen Dinge auf, wo ein unguter Umgang mit Macht oder ein Machtmissbrauch im Hintergrund stecken. Das ist schmerzlich, aber wichtig. Und es ist auch klar, dass uns in diesem Zusammenhang die Macht genommen wird.
Der Prior der Gemeinschaft von Taizé, fr. Matthew, hat vor kurzem gesagt: „Wir leben in einer wunderbaren Zeit, denn die Kirchen verlieren an Macht, sie werden arm. Damit bekommen sie die unglaubliche Chance, die eigene Botschaft auch wirklich zu leben.“[1] Und der neuernannte Erzbischof von Wien, Josef Grünwidl, sagt angesichts der kleiner werdenden Kirche, er sehe das "nicht nur negativ, denn wenn ich das Evangelium anschaue, dann finde ich nirgends eine Stelle, wo Jesus uns verspricht: 'Ihr werdet die Mehrheit sein, ihr werdet viel Geld haben, ihr werdet Privilegien und Einfluss haben‘. Glaube und Macht oder Kirche und Macht ist keine gute Verbindung." Die Kirche müsse lernen, sich "in diese neue Rolle, dass wir ärmer sind und machtloser und nicht mehr die Mehrheit, einzuleben". Aber auch wenn die Mitglieder weniger werden, ist er zuversichtlich: "Wir werden nicht weniger wichtig für die Gesellschaft.“[2]
Man muss es ganz ehrlich sagen: Machtverlust ist nicht einfach. Und eine andere, alternative Vorstellung von Macht einzuüben auch nicht. Das ist nicht nur eine Herausforderung für Staaten und für die Kirche, sondern für jeden und jede persönlich. Veränderung beginnt nämlich immer im Kleinen, bei jedem Einzelnen, im eigenen Herzen. Und deshalb möchte ich heute einige Fragen formulieren, die ich mir und euch mitgebe: Wie gehe ich mit der Macht um, die mir gegeben ist? Im Beruf, in Beziehungen, in Vereinen und Gruppen? Lebe ich meine Macht so, dass sie anderen dient, dass sie andere aufbaut, dass sie dem Wohl aller dient? Mache ich andere Menschen klein? Lasse ich sie meine Überlegenheit spüren? Und: Wie gehe ich um mit meiner eigenen Machtlosigkeit? Mit meiner Ohnmacht? Mit meinen Grenzen? Bin ich bereit, mich den eigenen Schwächen und Fehlern zu stellen? Gelingt es mir, zumindest ein wenig, Christus, dem machtlosen König zu folgen?
Jakob Bürgler
[1] Vgl. Kathpress Tagesdienst vom 14.11.2025.
[2] Vgl. www.katholisch.at/aktuelles
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Datum: 23.11.2025
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