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2. Adventsonntag
7. Dezember 2025
Im Mittelpunkt des Evangeliums vom zweiten Adventsonntag steht eine eigenartige Gestalt. Johannes der Täufer. Ein uriger Zeitgenosse. Ein heftiger Aufrüttler. Die Leute packt er direkt. „Ihr Schlangenbrut … Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt.“ (Mt 3,7.10) „Schon hält er die Schaufel in der Hand; und er wird seine Tenne reinigen und den Weizen in seine Scheune sammeln; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.“ (Mt 3,12)
Wenn heute jemand so auftreten würde, würde man ihm vorwerfen, eine Drohbotschaft zu verkünden. Der, der nach ihm kommen wird, der wird ganz schön drein hauen. Ist der kommende Messias also eine Bedrohung? Schauen wir genauer hin. Drei kleine Gedanken zum Weiterdenken.
Der Messias, der kommen wird, wird das Gute vom Bösen trennen. So sagt es Johannes der Täufer. Er wird die Schafe von den Böcken scheiden. Er wird saubermachen. Das klingt heftig und hart. Wir könnten mit den Jüngern fragen: „Wer kann da noch gerettet werden?“ (Mt 19,25)
Aber eines ist dabei wichtig: Es geht dem Messias nicht um die Trennung nach dem Motto „schwarz oder weiß“ bzw. „böse Menschen oder gute Menschen“. Denn in jedem Menschen gibt es den Weizen – und auch die Spreu, das Licht und den Abgrund, die Sünde und das Gelingen. Insofern ist die Trennung und Scheidung ein innerer Prozess, eine innere Klärung, ein inneres „Säubern“. Das Herz wird gereinigt. Sicher: Auch das tut weh. Aber es ist nicht eine Verwerfung und schon gar kein Rauswurf.
Wer ist es, der säubern wird? Ein Blick auf den, der trennen und scheiden wird, kann uns helfen und entlasten. Der, der richten und scheiden wird, ist nämlich der Herr aller Wirklichkeit, der Richter der Lebenden und der Toten – wie es unser Glaube sagt. Und dieser Richter ist selber gerichtet worden. Er ist verurteilt und umgebracht worden. „Das heißt, ein Hingerichteter wird Richter sein. Deshalb ist sein letztes Wort voller Erbarmen und voller Gerechtigkeit.“[1]
Gotthard Fuchs schreibt: „Ich plädiere damit für eine Wiederentdeckung der Frohen Botschaft von Gottes Gericht. …das ist der Jesus-Verkündigung und den biblischen und kirchlichen Zeugnissen angemessen. Nicht im Sinne einer Angstmache, aber auch nicht im Sinne einer Verbilligung des Lebens und des Glaubens mit dem Verlust schöpferischer, Gott-gemäßer Konfrontation, die uns wieder herrichtet und die Niedergeschlagenen aufrichtet, vor allem die Opfer und die Täter anders konfrontiert – zum Heil aller.“[2] Das Gericht, die Trennung von Spreu und Weizen ist heilsam, klärend. Sie richtet das Gute wieder her und richtet den guten Weizen auf. Das Gericht Gottes macht froh und baut auf.
Und dann noch das Bild vom Feuer, das nie erlöscht. Zwei Mal ist im heutigen Evangelium vom Feuer die Rede. Jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird ins Feuer geworfen. Und: Der Messias wird die Spreu in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
Wenn nun die Spreu jener Teil in uns ist, der dem Guten widerstrebt, der das Edle und Gute kaputt machen will und kaputt macht, der es wertlos und unbrauchbar sein lässt, dann ist es ja gut, dass sie immer wieder und einmal ganz und gar von uns getrennt und geschieden wird, verbrannt wird. Immer wieder – das ist die Chance, die wir als Jüngerinnen und Jünger Jesu haben.
Für mich ist das Bild vom nie erlöschendem Feuer also ein Bild der Hoffnung: Das Feuer brennt immer. Das Feuer erlischt nie. Also kann die Spreu auch immer verbrannt werden. Es ist nie zu spät.
Johannes der Täufer. Ein uriger Zeitgenosse. Ein herber Charakter. Aber er legt auch die Hoffnung in unser Herz. Die Reinigung wird in uns geschehen. Das Gute wird siegen. Der Richter ist selbst unschuldig gerichtet worden. Sein Gericht wird aufrichten. Und: Das nie erlöschende Feuer ist die Chance, sich immer wieder reinigen und aufbauen zu lassen. Es liegt in unserer Hand. Nützen wir diese Chance.
Jakob Bürgler
[1] Gotthard Fuchs, Segnen und Verzeihen. Woran Christen zu erkennen sind. In: Christlich leben in der Welt von heute. Wagner Verlag 2015, 80.
[2] Ebd.
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Datum: 07.12.2025
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