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2. Sonntag nach Weihnachten
4. Jänner 2026
Hat die Geburt Jesu tatsächlich etwas verändert in der Welt? Gibt es nicht nach wie vor unzählige Katastrophen, unsägliches Leid, Bitterkeiten noch und noch, Unfrieden und Streit, Krieg, Verzweiflung, unsägliche Schmerzen, die Erfahrung von Unerlöstheit? Jetzt wieder beim erschütternden Unglück zu Silvester in der Schweiz, seit Neuestem durch den Angriff der USA auf Venezuela, lange schon in der Ukraine und im Nahen Osten.
Immerhin ist es tröstlich, dass Gott in unser belastetes Leben eintaucht, dass er selber Mensch wird, unser Schicksal teilt. Aber hat sich damit wirklich etwas Wesentliches verändert für uns, außer dass wir darum wissen dürfen, dass Gott uns in allem ganz nah ist? Was an sich ja auch schon sehr viel wert ist!
Mir ist im Johannesprolog, also im Evangelium, das heute verkündet wird, ein kleiner Satz aufgefallen, der diese Frage anreißt: „Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ (Joh 1,5) Ja, es gibt genug Finsternis und Bitterkeit. Zu jeder Zeit, in jedem Leben. Aber: Bei aller Finsternis, bei allem Schrecken und Dunkel, leuchtet ein Licht. Aber dieses Licht ist nicht so, dass es „schreien“ oder mit allen Mitteln auf sich aufmerksam machen würde. Dieses Licht ist leise und schlicht. Es ist so „leise“, dass es die Finsternis gar nicht wahrnimmt.
Aber das Licht leuchtet. Es ist da. Es ist unauslöschlich eingewoben in alles, was im Leben passiert, was in der Welt geschieht. Dieses Licht ist neu und kein Produkt einer Einbildung. Kein Produkt einer notgedrungenen Verzweiflungshoffnung des Menschen, keine Projektion, weil sonst das Leben unaushaltbar wäre. Nein, dieses Licht ist das Wort, das von Gott kommt, und das Gott in diese Welt einpflanzt.
Und dieses Licht ist das Plus, das für glaubende Menschen alles verändert, wenn sich auch nicht alles verändert. Wenn auch genug an Lasten und Dunkelheiten bleiben und zu bewältigen sind. Aber es gibt eben dieses Plus, an dem man sich orientieren kann – und das still und leise einen anderen, einen neuen Blick ermöglicht.
Vor einigen Jahren habe ich mit der Weihnachtspost einen Bericht zugeschickt bekommen, der vielleicht etwas davon sichtbar macht. Dieser historische Bericht handelt vom Weihnachtsfest 1945 im russischen Kriegsgefangenenlager Norilsk. Auch wenn der Zweite Weltkrieg damals schon seit Monaten vorbei war, lebten viele Kriegsgefangene nach wie vor in einer großen Ungewissheit. So auch jene in diesem Lager. Die Stimmung war wenige Wochen vor Weihnachten am Tiefpunkt. Nicht wenige Gefangene überlegten, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Sie waren abgemagert, kraftlos, deprimiert. Die Erinnerung an Weihnachten zuhause ließ Wehmut, bei manchen sogar Verzweiflung aufkommen.
Eine kleine Gruppe von gläubigen Gefangenen wollte trotz der widrigen Umstände eine Weihnachtsfeier organisieren. Einer von ihnen machte der sowjetischen Lagerleitung folgenden Vorschlag: „Seid so gut, gebt den Gefangenen am Heiligen Abend einen halben Tag frei und ermöglicht jedem zum Fest als Geschenk einen kleinen Laib Brot.“ Es wurde mit der Lagerleitung vereinbart, dass bis Weihnachten täglich von dem Mehl für die Brotrationen ein kleiner Teil zurückgehalten wurde, damit am Heiligen Abend dadurch für alle ein eigenes kleines Brot gebacken werden konnte.
So kam der Heilige Abend. Die Ankündigung mit dem Brot für jeden hatte schnell die Runde gemacht und alle waren da. Das Weihnachtsevangelium wurde verkündet, unter Tränen einige Weihnachtslieder gesungen und ein Vaterunser gebetet. Und jeder bekam sein Brot. Es war mit ein wenig Puderzucker bestreut und mit einer kleinen Schleife versehen. Was dann geschah, war unbeschreiblich: Kindliche Freude! Einige trugen ihren Brotlaib wie ein kleines Kind im Lager umher, küssten ihn und murmelten immer wieder lächelnd vor sich hin: „Mein Brot, mein Brot – ganz für mich!“
Diese Gefangenen machten damals eine zutiefst weihnachtliche Erfahrung. Ein kleines Brot veränderte plötzlich alles! Sie befanden sich noch immer in der brutalen Wirklichkeit des Gefangenenlagers, und doch spürten sie tief in ihren Herzen eine Freude, die sie zu Tränen rührte. Diese Freude schenkte ihnen Hoffnung und neuen Lebensmut.
„Und das Licht leuchtet in der Finsternis…“ Das Licht ist da wie ein kleines Stück Brot. Es nimmt zwar die Bedrängnis nicht weg, aber es macht doch mittendrin eine tiefe Erfahrung von Freude und Trost möglich. Das Licht nimmt zwar die Finsternis nicht weg, aber in der Finsternis setzt es eine neue Dimension frei. Die Finsternis ist nicht mehr undurchdringlich. Der Anfang ist gesetzt.
Das Licht leuchtet in der Finsternis. Das Licht ist wie ein Haltegriff, der einen Ausblick schenkt und eine Hoffnung, dass sich das Licht einmal ganz zeigen und durchsetzen wird. Insofern hat sich mit der Geburt Jesu in der Welt tatsächlich etwas verändert, alles verändert – zugänglich für jene, die glauben.
Jakob Bürgler
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Datum: 04.01.2026
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