Die Taufe Jesu und was sie heute bedeuten kann

Welche Grundhaltungen kann uns die Taufe Jesu als christliche Lebensprägung nahe bringen? Propst Jakob Bürgler formuliert drei Gedanken: Himmel. Größe. (Zu)Lassen. Die Predigt findest du hier.

Taufe des Herrn

11. Jänner 2026

Jesus wird getauft. Von Johannes dem Täufer. Im Jordan. Das wissen wir. Das gehört zu den Grundkenntnissen des christlichen Glaubens. Jedes Jahr aufs Neue feiern wir diese Taufe, hören die biblische Erzählung dazu und staunen, was sich da alles zwischen Erde und Himmel tut. Eine Stimme wird hörbar. Der Himmel tut sich auf. Jesus Christus wird als der sichtbar, der vom Heiligen Geist ganz durchdrungen ist.

Ich lade ein, dass wir uns für die nächsten Minuten an den Jordan begeben – natürlich nur in Gedanken, dass wir wahrnehmen, was da passiert, und dass wir zu verstehen versuchen, was uns die Taufe Jesu heute zu sagen hat. Drei Gedanken zum Mitnehmen: Himmel, Größe, (Zu)Lassen.

Himmel

„Und siehe, da öffnete sich der Himmel…“ (Mt 3,16) Ein schönes Bild. Wir sagen ja auch manchmal: Das ist so schön, da muss der Himmel offen sein. Oder: Ich fühle mich wie im Himmel. Über Jesus ist der Himmel offen. Das Licht von oben erfüllt alles.

Aber im „offenen Himmel“ steckt noch eine andere Bedeutung. Nicht nur die Schönheit wird greifbar, die Herrlichkeit. Es wird auch deutlich, dass Gott handelt, dass Gott eingreift, dass Gott die Hand im Spiel hat, dass er sich „einmischt“.

Das erinnert mich an das große Flehen des Volkes Gottes in der Zeit der alttestamentlichen Propheten. „‘Reiß doch den Himmel auf und komm herab…‘, so hatte Israel zu Gott geschrieben (Jes 63,19). Und hier bei der Taufe nun reißt der Himmel auf und gibt Einblick in das Geheimnis Jesu.“[1]

Momentan liegt eine dunkle Wolke der Sorge über unserer Welt. An allen Ecken und Enden bricht Gewalt aus und Durcheinander. Wie soll das alles weitergehen? Wohin soll das noch führen? Und deshalb ist der offene Himmel top-aktuell: Reiß doch den Himmel auf, Gott! Greife ein! Lege denen das Handwerk, die mit Gewalt und dem Recht des Stärkeren alles an sich reißen! Zeig dich uns! Bahne – vielleicht überraschend – Wege des Friedens, der Verständigung, Wege, die uns wieder hoffen lassen!

Größe

„Warum hat Jesus sich taufen lassen? Er ist doch der Messias, der Sohn Gottes. Warum dann die Taufe? Schon der Täufer Johannes stellt diese Frage: ‚Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?‘ Was ist das für ein Messias, der sich vom Geringsten taufen lässt? Er hat’s doch gar nicht nötig! Warum denn dann?  - Das ist Jesus. Er macht das ‚Wer-ist-der-Größte-Spiel‘ nicht mit. Frei von Angst um sich selbst, stellt er sich ganz zu den Menschen. Er braucht keine Privilegien. Jesus – einer von uns!“[2]

Ein starker Gedanke: Jesus macht das „Wer-ist-der-Größte-Spiel“ nicht mit. Ganz im Gegensatz zu uns und unserer Welt. Die Frage danach, wer größer und besser ist als alle anderen, hat uns voll im Griff. Nicht nur durch den, der alles „great“ machen will und in allem der Beste ist.

Das beginnt schon bei Kids und Jugendlichen. Habe ich die richtigen Klamotten an? Bin ich „in“? Falle ich aus der Achtung der anderen heraus, weil ich nicht mitmache? Bin ich besser als meine Freunde? Entspreche ich wirklich dem, der ich laut „social media“ sein soll? Wer hat mehr follower?

Manchmal denke ich: Unsere Welt ist krank. Konkurrenzkampf überall. Dabei gilt: Wettbewerb ist gut, Wettstreit ist schlecht. Und christlich leben bedeutet: Aus dem ständigen Größer-Sein-Wollen aussteigen.

(Zu)Lassen

Eines ist bei der Taufe Jesu sehr interessant. Johannes wehrt sich. Er wehrt sich dagegen, dass er Jesus taufen soll. Aber er wird umgestimmt. Warum? Weil Jesus ihn motiviert, und einlädt – mit den Worten: „Lass es nur zu!“ (Mt 3,13) Im Matthäusevangelium sind das die ersten Worte aus dem Mund Jesu. Lass es nur zu.

Vielleicht können wir da auch eine Einladung an uns heraushören: Lass es nur zu. Lass es zu, dass Gott an dir handelt. Lass es zu, dass Gott die Regie über dein Leben hat.

Manchmal ist es ja so, dass wir eine ziemlich dicke Schutzschicht haben gegen alles, was mit einem tieferen Glauben zu tun hat. Gott nur nicht zu nahe kommen lassen! Wer weiß, was dann passiert! Und sich vielleicht auch noch in die Reihe jener zu begeben, die als „fromm“ gelten und als etwas eigenartig eingestuft werden. Die Messe wahr sehr schön, sagen viele. Und was folgt daraus? Wie geht es weiter? Gibt es einen kleinen Schritt im Glauben?
Lass nur zu! Lass dich innerlich berühren und „ziehen“ – und du wirst merken: Das Leben wird tiefer, wesentlicher, freier. Du gewinnst etwas! Dein Leben gewinnt ein Plus, einen Mehrwert. Lasse nur zu, im Glauben einen Schritt zu tun!

Himmel. Größe. (Zu)Lassen. Gott, reiß den Himmel auf und wirke auf uns ein, damit unsere gebeutelte Welt wieder in Bahnen kommt! Gott, hilf uns, aus dem „immer größer und immer besser sein wollen“ auszusteigen! Und: Gott, lass uns dich zulassen. Deine Zärtlichkeit und Liebe in uns hineinlassen. Lass uns erreichbar und berührbar sein, wenn du uns ansprichst.

Jakob Bürgler

[1] Franz Kamphaus, 41.

[2] Franz Kamphaus, Tastender Glaube. Patmos 2017, 40.

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Datum: 11.01.2026

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