Selig, die Frieden stiften

Wir brauchen dringend Menschen, die Frieden stiften. In der Welt und im persönlichen Umfeld. Gedanken von Propst Jakob Bürgler zur Bergpredigt und zu den Seligpreisungen findest du hier.

4. Sonntag im Jahreskreis

1. Februar 2026

Das Evangelium dieses Sonntags führt uns in die Hügel von Galiläa, auf einen Berg, auf dem Jesus in der Bergpredigt sein „Programm“ vorstellt, die Eckpunkte seiner Botschaft, seine „Vision“. Jesus wird erlebbar und sichtbar als der neue Mose, als der, der vom Berg her das neue Gebot, die neue Lebensmaxime Gottes verkündet. 

Wir haben heute die Seligpreisungen gehört. Sie sind in gewisser Weise der „feierliche Auftakt“ der Bergpredigt. Sie gehören zu den großen Texten der Weltliteratur, bekannt weit über den Kreis jener hinaus, die Christen sind.  Und nach diesen Seligpreisungen kommen dann jene Worte, die so quer stehen zu dem, was im Leben oft zählt und sich durchsetzt: Unbedingt versöhnungsbereit sein, die Feinde lieben, dem anderen alles lassen, den Balken im eigenen Auge sehen und nicht den Splitter im Auge des Bruders, mit Vergeltung endgültig Schluss machen. Worte, die aufrütteln und irritieren.

Die Bergpredigt Jesu ist schon oft für verrückt erklärt worden. Es heißt dann: Mit der Bergpredigt lässt sich keine Politik machen. Wer nach der Bergpredigt lebt, wird zum Verlierer. Arm sein, keine Gewalt anwenden, sanftmütig leben, barmherzig sein, ein reines Herz haben, Verfolgung erleiden, verleumdet werden um Jesu willen… Da kann man ja nur verlieren, oder?

Auf der anderen Seite gibt es sehr positive Aussagen über die Bergpredigt. Der Hindu Mahatma Gandhi sagt wertschätzend: „Es ist diese Predigt, die mich Jesus liebgewinnen ließ.“ Der Jude Pinchas Lapide meint: „Jesu Berglehre kann Grundlage für menschenwürdiges Überleben und Wegweiser für den Weltfrieden sein.“

Auf alle Fälle ein spannender Text, ein Text, der unsere ganze Aufmerksamkeit verdient. Wie gesagt: Der Auftakt zur Bergpredigt sind die Seligpreisungen. Ausgestattet mit einem positiven und ermutigenden Grundton: Selig! Selig sind, die… Gott will, dass der Mensch selig wird, glücklich, zufrieden, dass er zum Sinn des Lebens findet, dass sein Leben gelingt. Deshalb: Selig, die… Wir werden ermutigt.

Ich möchte heute eine der Seligpreisungen herausnehmen und ein wenig vertiefen. „Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“ (Mt 5,9) In einer Zeit, in der uns die Bilder der zunehmenden Gewalt erschrecken und ängstigen, eine ganz zentrale und wichtige Seligpreisung.

Wir verbinden mit dem Thema „Frieden“ vielleicht ein Thema der Politik, im Rahmen der Konflikte zwischen den Staaten und Kontinenten. Wir spüren, wie fragil und zerbrechlich der Friede ist, wie schnell alles anders sein kann. Machtgier, Reichtum, Einfluss, Kränkungen und persönliche Defizite: Wenn etwas davon die Oberhand gewinnt, ist der Friede weg. Und unsägliches Leid kommt über unzählbare Menschen. Nicht auszudenken, was da alles passieren kann, wenn es so weitergeht wie in den letzten Monaten. Die Botschaft Jesu, seine Seligpreisung für jene, die Frieden stiften, ist top aktuell.

 Aber die Orientierung am Frieden betrifft nicht nur „die da oben“, die Mächtigen, die Einflussreichen. Sie betrifft das ganz alltägliche und normale Leben, sie betrifft uns, dich und mich. Wo und wie kann ich Frieden stiften? Jeder und jede von uns kennt Menschen, die als „schwierig“ gelten, mit denen es nicht leicht ist. Das kann in der Familie so sein oder bei der Arbeit, überall, wo Menschen zusammen sind.

Wie begegne ich anderen Menschen? Gibt es bei manchen einen Vorschuss an Misstrauen, an Ablehnung, an Kritik? Erfasst mich da automatisch eine Welle an Abneigung und Abwertung? Sicher, es kann Gründe geben für Kritik und Auseinandersetzung. Und manchmal braucht es auch den Konflikt. Aber ist mir bewusst, was meine Gefühle mit mir machen?

Wie viel Energie investiere ich für Schritte zur Versöhnung, zu einem neuen Anfang, zu einem tieferen Verstehen der anderen Person? Was tue ich konkret, um ein besseres Miteinander möglich zu machen? Für Christinnen und Christen gehört es zum neuen Gebot Jesu, den Weg der Versöhnung zu suchen, wo immer möglich, Brücken des Miteinander zu bauen, neu anzufangen. Das ist keine Nebensächlichkeit, nichts Kleingedrucktes. Wer sich dem Frieden verweigert, kann sich nicht auf Jesus berufen. Frieden stiften hin zum anderen Menschen. Brücken bauen. Immer wieder neu beginnen und um die Kraft dazu bitten.

Aber es geht nicht nur um die einzelnen Menschen. Es geht auch um ganze Menschengruppen. Wie denke ich über „die da oben“? Wie schaut mein Blick auf „die Ausländer“ und „die Fremden“ aus? Auf jene, die von Sozialhilfe und Zuwendungen leben? Lasse ich mich da von allgemeinen Vorurteilen leiten? Und von Schuldzuweisungen?

Es ist immer die gleiche Frage: Wie und wo kann ich einen Schritt hin zum Frieden tun? Wo bin ich gefragt? Die Seligpreisungen: Sie sind kein frommes Beruhigungsmittel. Sie sind eher ein Beunruhigungsmittel.

Jakob Bürgler

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Datum: 01.02.2026

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