Kategorien
3. Fastensonntag
8. März 2026
Wasser. In zwei der biblischen Lesungen geht es heute um das Wasser. Wasser ist lebensnotwendig. Wir wissen das: Wenn wir sporteln. An einem heißen Sommertag. Oder momentan: Die Natur dürstet. Es sollte dringend regnen. Wasser ist lebensnotwendig.
Auch beim Auszug des Volkes Israel. Der Weg führt durch die Wüste. Es ist staub-trocken. Die Leute verdursten fast. Es bricht Panik aus, und Aggression. Und dann die Erfahrung, dass aus dem Felsen Wasser entspringt. Aus dem harten Felsen frisches Wasser. Gott lässt leben, auf-leben.
Und dann die Geschichte am Brunnen. Eine der besonders schönen Erzählungen aus dem Leben Jesu. Eine Frau kommt zum Brunnen. Sie hat ein Schöpfgefäß mit. Sie will Wasser holen. Sie hat Durst. Jesus sitzt am Brunnen. Es ist furchtbar heiß. Er sieht die Frau und beginnt mit ihr zu reden. Er hat kein Schöpfgefäß, aber er hat einen wachen Blick. Er sieht in das Herz der Frau.
Diese Geschichte ist 2000 Jahre alt. Und trotzdem ganz aktuell. Sie ist eine Sehnsuchtsgeschichte. Die Frau hat Sehnsucht. Zuerst nach Wasser. Deshalb geht sie ja zum Brunnen. Aber noch tiefer in ihr gibt es eine andere Sehnsucht. Und das erkennt Jesus. Die Sehnsucht nach einem guten und gelingenden Leben. Nach Glück. Nach Zuneigung, Liebe, echter Freude.
So wie jeder Mensch. Jeder Mensch hat diese Sehnsucht in sich. Die Sehnsucht, dass alles gut wird, die Sehnsucht nach einem guten Daheim, nach echten Freunden, nach Glück, nach einem Frieden im Herzen. Eine ganz tiefe Sehnsucht lebt im Herzen jedes Menschen.
Und jetzt die Antwort der Bibel: Jesus kennt diese Sehnsucht. Er weiß, dass in mir und in dir diese Sehnsucht lebt. Sein Blick schaut nicht nur auf das Äußerliche, sondern auf das Herz.
Und noch mehr: Auch Jesus trägt eine Sehnsucht in sich: Die Sehnsucht, dass diese Frau am Brunnen ihre eigene tiefe Sehnsucht erkennt, über sie redet, sie in Worte fasst, nicht bei dem stehenbleibt, was äußerlich und oberflächlich ist.
Und nicht nur bei der Frau ist das so, auch bei uns ist das die Sehnsucht Jesu. Dass wir ehrlich sind und sagen: Ich brauche etwas, das mich glücklich macht und das ich mir nicht selber geben oder selber herstellen kann. Ich brauche eine Gabe, die größer ist als alles andere. Nur so werde ich wirklich glücklich. Nur so habe ich ein wirklich gutes Leben.
Die Sehnsucht, dass Gott mich kennt und mich gern hat. Wenn ich glauben kann und weiß, dass Gott mich liebt, dass er in mir wohnt und mein Leben erfüllt, dann ist das wie frisches und sprudelndes Wasser. Dann spüre ich in mir eine tiefe Freude, ein Glück, dann weiß ich mich getragen.
Noch einmal möchte ich meinen Blick auf diese Frau in Sychar richten. Sie ist ganz und gar kein unbeschriebenes Blatt. Immerhin hat sie schon fünf Männer gehabt. Ein oberflächlicher Blick wäre bald fertig mit dieser Frau. Aber Jesus sieht tiefer. Er sieht in das Herz der Frau. Er lässt sich nicht leiten von moralischen Vorurteilen. Jesus sieht die verborgenen und wahren Qualitäten der Frau.
Diese Qualitäten liegen in dem, was die Frau tut. Sie geht, um ihr Erlebnis mit den Bewohnerinnen und Bewohnern von Sychar zu teilen. „Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen, kehrte zurück in die Stadt und sagte zu den Leuten…“ (Joh 4,28) Die Frau gibt Zeugnis von dem, was passiert ist, was auch „in ihr“ passiert ist. Sie wird zur Botin Jesu, zur „Apostolin“, zur Verkündigerin einer frohen Botschaft. Und dabei lässt sie den Krug beim Brunnen zurück. Den leeren Krug. Das Wasser des Brunnens genügt jetzt nicht mehr.
Die Bewohner von Sychar finden zunächst zum Glauben an Jesus durch die Frau, durch ihre Erzählung, durch ihr Zeugnis. Sie glauben aufgrund dessen, was die Frau ihnen sagt. Später, zum Schluss, wird es ihr eigener Glaube. Sie bauen dann auf ihr eigenes Glaubenswissen. Sie sagen dann zur Frau: „Nicht mehr aufgrund deiner Rede glauben wir, denn wir haben selbst gehört und wissen: Er ist wirklich der Retter der Welt.“ (Joh 4,42)
Der Glaube der Samaritaner ist nicht mehr ein „second hand“-Glaube, sondern ein Glaube aus „erster Hand“.
Der Glaube wird dann tragfähig, wenn er diesen Schritt macht. Wie die Frau am Brunnen will uns Jesus im Herzen berühren und in die Tiefe führen. Er will, dass unser Glaube mehr als Tradition ist und dass das Feuer, das uns erfüllt, Funken sprüht, damit andere die Schönheit des Evangeliums entdecken können.
Beten wir dafür, dass in diesen außerordentlichen Tagen der Krise wir alle und mit uns viele Menschen über das nachdenken, was uns wirklich trägt, was im Leben entscheidend ist, wie sehr der Glaube an einen, der alles in seinen guten Händen hält, zum Lebensglück führt. Beten wir für die Erneuerung des Glaubens in unserem Land!
Jakob Bürgler
Kategorie:
Datum: 08.03.2026
Die Unipfarre Innsbruck ist ein Ort, in dem Begegnung mit Gott, mit Jesus Christus, mit den Mitmenschen und mit sich selbst möglich ist.
In der Unipfarre engagieren sich Studierende. Alle Angebote werden durch Student:innen mitgetragen. "Vielfalt" ist Progamm.
Wir begeben uns mit dir auf die Suche nach dem, was Leben gelingen lässt, Freude bereitet und dich stärkt.
Universitätspfarre Innsbruck
Josef-Hirn-Straße 7 / 5. Stock
A-6020 Innsbruck in Tirol
Österreich
Mit DIR machen wir uns auf die Suche nach dem, was Leben gelingen lässt, was Freude bereitet und DICH stärkt.
Universitätspfarre Innsbruck
ImpressumKontaktDatenschutz