Ostern - Fest der widerständigen Hoffnung

Wie Ostern feiern in einer Zeit von Gewalt und Bedrängnis? Gedanken dazu von Propst Jakob Bürgler findest du hier. Bild: Russische Auferstehungsikone, 16. Jhdt.

Ostern 2026

Wie kann man angesichts der Gewalt, die an so vielen Orten ausbricht, guten Gewissens Ostern feiern? Und gibt es nicht auch im persönlichen Leben zahlreiche Ereignisse, die eher nach Karfreitag schmecken als nach Auferstehung? Was lässt uns unermüdlich Ostern feiern?

Wer bei den Erzählungen über die Auferstehung Jesu gut zuhört, der wird merken, dass es da immer auch um das Leid geht, um den Schmerz, um Tränen, um zerstörte Hoffnung, um Ausweglosigkeit, um Furcht. Und mitten da hinein bricht das Neue, das Gott möglich macht. Ostern.

Bei den Trauermetten, die wir im Dom am Karfreitag und Karsamstag abhalten, werden die Klagelieder des Propheten Jeremia zitiert. Harte Texte. Bittere Worte über das Elend, die Not, die Zerstörung. Höchst aktuell.

Heuer ist mir ein Vers besonders nahe gegangen: „In den Boden sanken ihre Tore, ihre Riegel hat er zerstört und zerbrochen.“ (Klgl 2,9) Beschrieben wird hier das Schicksal von Jerusalem, die Situation des Exils. Nur Elend weit und breit. Alles Schöne ist kaputt. Die Hoffnung weg.

Die Tore dem Boden gleich gemacht, die Riegel zerbrochen. Diesen Vers und damit diese Beschreibung könnte man über unzählige Bilder aus der Ukraine stellen, oder dem Gazastreifen oder dem Iran. Alles niedergebombt, vernichtet. Die Riegel, die schützen sollten, sind kaputt.

Aber: Das Bild von den in den Boden gesunkenen Toren und den zerstörten Riegeln ist auch ein österliches Bild. Bei der Osterdarstellung der orthodoxen Kirche steht die Unterwelt im Zentrum. Christus, der Lebende, geht hinunter bis in die untersten Schichten des Bösen, hinein in alle Abgründe, in die äußerste Finsternis. Und er zerstört die Tore der Unterwelt, zertritt sie, zerbricht die Riegel, die das menschliche Leben kaputt machen und knechten.

Das bedeutet: Auch wenn wir im Angesicht von unmenschlichem Leid, von Gewalt und Trauer, von Angst und Sorge die Hoffnung zu verlieren drohen: Jesus Christus, der Auferstandene, lässt uns nicht im Stich. Er ist bei uns. Als der Siegreiche. Es gibt keine Tore, die er nicht öffnen, und keine Riegel, die er nicht zerbrechen könnte.

Ostern ist das Fest der widerständigen Hoffnung, der trotzigen Hoffnung. Wer an Jesus Christus glaubt, der klammert sich an ihn. Und gegen alle Vernunft wächst ihm eine Zuversicht zu, die aufatmen lässt. Und darum feiern wir Ostern. Mit ganzem Herzen. Mit gutem Gewissen. Mit Überzeugung. Jesus lebt. Er hat allem Leiden, aller Verzweiflung, aller Verlorenheit die letzte Macht genommen.

Jakob Bürgler

Kategorie:

Datum: 05.04.2026

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