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4. Sonntag der Osterzeit
26. April 2026
Jesus als der gute Hirte. Ein vertrautes, tröstliches Bild. Der Hirte ist dem Türhüter bekannt. Er hat Zutritt zu seiner Herde. Die Schafe hören auf ihn. Er kennt alle. Er ruft sie beim Namen. Einzeln. Es geht dem Hirten um den Einzelnen, um die Einzelne, um dich und mich.
Jesus, der Auferstandene, wird im Evangelium als der gute Hirte beschrieben. Und für all jene, die in seinem Namen handeln, wird auch das Bild des Hirten verwendet. In Namen Jesu den Hirtendienst tun.
Man könnte auch von „leadership“ sprechen und vom guten Hirten lernen: Leadership nach dem Modell des guten Hirten. Dazu drei Blitzlichter: Der befreiende Hirte. Der verweisende Hirte. Der vertrauende Hirte.
Der befreiende Hirte
„…und führt sie hinaus.“ (Joh 10,3) Der Hirt will keine eingesperrten, unfreien, gedemütigten, kontrollierten, entmündigten Schafe. Er will zur Freiheit führen. Er will, dass die Schafe ihre Würde erkennen, ihren Wert, ihre Einzigartigkeit. Der Hirte traut ihnen zu, mit der Freiheit umgehen zu können.
Leider haben wir als Kirche diese Aufgabe, in die Freiheit zu führen, nicht immer umgesetzt. Es ist dann mehr der Zwang und die Enge erlebbar gewesen als die Freiheit und die Ermächtigung. Erst vor kurzem habe ich wieder einmal mit jemanden gesprochen, der unter dem Druck und der Macht von Kirche sehr gelitten hat.
Leadership im Sinne Jesu bedeutet, die Potentiale der Mitarbeitenden zu fördern, sie wachsen zu lassen, die Einzigartigkeit und freie Entfaltung als zentralen Wert zu sehen.
Wer Hirte oder Hirtin im Namen Jesu ist, der wird zur größeren Freiheit führen, zur Kräftigung und Eigenständigkeit der Anvertrauten.
Der vorläufige Hirte
„Ich bin die Tür.“ (Joh 10,9) Jesus die Tür. Etwas gewöhnungsbedürftig. Der Hirte ist ein schönes, ansprechendes Bild. Das Bild der Tür ist eher sperrig.
Durch eine Tür kann man hinein und hinaus gehen. Die Seinen, sagt Jesus, werden ein- und ausgehen und Weide finden. Und wer durch ihn hineingeht, wird gerettet werden.
Die Tür hat ihren Sinn nicht in sich selbst. Sie ist ein „Übergang“. Entscheidend sind der Stall und die Weide. Jesus öffnet dafür den Weg. Ja, er ist der Weg. Der Weg zum Vater, zum Vater als bergende Heimat wie ein Stall und zum Vater wie eine frische, saftige, nahrhafte Wiese.
Leadership im Sinne Jesu bedeutet in diesem Zusammenhang, sich nicht selber in den Mittelpunkt zu stellen, nicht alles an sich auszurichten oder alle Macht und Kontrolle bei sich anzusammeln.
Wer Hirte oder Hirtin im Namen Jesu ist, der wird seinen oder ihren Dienst als „Platzhalter“ ausüben, mit ganzer Kraft und Persönlichkeit, aber immer bereit, dem eigentlichen Hirten Platz zu machen.
Der vertrauende Hirte
„Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat…“ (Joh 10,4) Was passiert dann? Gestern hat Kardinal Christoph Schönborn einen tollen Text auf Instagram gepostet. Er hat sich auf den Brief einer seiner ehemaligen Studenten bezogen, der Erfahrung als Hirtenknabe in den Bergen des Schweizer Wallis hatte und der ihm zu seiner Bischofsweihe geschrieben hat.
„Oftmals geht die Herde seltsame Wege, die der Hirt von sich aus nicht gehen würde. Aber einmal glücklich und über Umwege ans Ziel gelangt, versteht er…, dass dieser von der Herde eingeschlagene Weg für alle ‚gangbar‘ gewesen ist. Das Schreiten hinter den Schafen setzt voraus, dass der Hirt der Herde und die Herde dem Hirten voll und ganz vertrauen kann.“
Leadership in der Nachfolge Jesu heißt, der Gemeinschaft, dem Team zu trauen und zu vertrauen, das Gemeinsame zu suchen, sich einzubinden.
Hirte oder Hirtin sein im Namen Jesu bedeutet, immer neu und manchmal auch gegen den eigenen Willen vertrauen lernen. Nur wer der Gemeinschaft vertrauen kann und lernbereit ist, kann den Hirtendienst gut wahrnehmen.
Der befreiende Hirte. Der verweisende Hirte. Der vertrauende Hirte. Jesus Christus als Modell von Leadership für alle, die aus seinem Geist leben und wirken wollen.
Der auferstandene Christus will uns immer in die innere Freiheit führen. Er braucht Menschen, die bescheiden sind und sich nicht in den Mittelpunkt stellen. Und er ermutigt zum Vertrauen. Aufeinander hören, sich einander anvertrauen, den Impulsen trauen, die in der Gemeinschaft aufbrechen.
Jakob Bürgler
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Datum: 26.04.2026
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