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Christi Himmelfahrt
14. Mai 2026
Christi Himmelfahrt. Man könnte sagen: Ein Fest, ausgestreckt zwischen Himmel und Erde. Auf der einen Seite ist der Himmel. Jesus geht in den Himmel heim, zu seinem lieben Vater. Wie es die Apostelgeschichte beschreibt: „Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.“ (Apg 1,9) Auf der anderen Seite die Erde. Jesus bleibt auf der Erde, bei den Seinen, auf eine neue Weise, durch den Heiligen Geist. So wie es uns Matthäus im Evangelium als Wort Jesu überliefert: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20) Christi Himmelfahrt, ausgestreckt zwischen Himmel und Erde. Jesus, der Herr, ausgestreckt zwischen Himmel und Erde. Und auch wir, ausgestreckt zwischen Himmel und Erde.
Zunächst der Himmel. Es gibt einen kurzen Satz des Apostel Paulus, den er an die Gemeinde in Philippi schreibt und der das Wesentliche zum Himmel zusammenfasst: „Denn unsere Heimat ist im Himmel.“ (Phil 3,20) Kurz und bündig. Unsere Heimat ist im Himmel. So schön unsere Zeit auf der Erde ist, so erfüllend, so lebensvoll – sie bleibt nicht. Sie geht zu Ende. Einmal wird die Erde für uns Geschichte sein.
Dazu kommt, dass die Erde, neben all dem Glück, ja auch die Last kennt, die Sorge, die Bedrückung und das Leid. Manchmal ist die Erde ganz schön schwere Erde. Wenn man die Aussage des Paulus weiterliest, dann wird das sichtbar: „Denn unsere Heimat ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes…“ (Phil 3,20-21) Der armselige Leib.
Aber: Die Erde ist auch schön, wunderbar. Sie ist ein Glück. Sie ist ein Geschenk. Uns von Gott anvertraut. Von der Mutter von Roger Schutz, dem Gründer der Gemeinschaft von Taizé wird erzählt, dass sie beim Sterben gesagt habe: „Ich weiß, an wen ich glaube. Aber ich liebe das Leben.“
Manchmal kommt mir vor, dass unser heutiges Leben geprägt ist von einer „Himmel-Vergessenheit“. Wir erwarten uns alles von der Erde, von diesem Leben. Alles Glück. Alle Erfüllung. Und wir hasten dieser Erfüllung hinterher, weil wir merken, dass es nichts gibt, was uns ganz erfüllt. Immer mehr Konsum, immer mehr Genuss, immer mehr Events, immer mehr Sport, immer mehr Beziehungen. Und wir erwarten, dass uns all das das Glück des Himmels gibt. Es ist wichtig, im Leben den Horizont des Himmels offen zu halten, in den Himmel „hineinzuwachsen“, sich in ihn einzuwohnen. Denn unsere Heimat ist im Himmel.
Und dann die Erde. Bei seiner Himmelfahrt verschwindet Jesus ja nicht einfach. Alles nur mehr vergeistigt und abgehoben. Nein, Jesus bleibt bei den Seinen, er bleibt auf der Erde, und er will, dass die Christinnen und Christen die Erde verwandeln.
Vor einiger Zeit habe ich ein Video des koreanischen Predigers Brother Bo Sanchez entdeckt. Es hat mich sehr bewegt. Bo Sanchez sagt darin: „Was ist der Sinn des Lebens? Ist das Ziel des Lebens, in den Himmel zu kommen? Eine große Zahl von Menschen würde sagen: Das stimmt! Einerseits ist das wahr, andererseits ist es nicht wahr.
Als Jesus das ‚Vater unser‘ lehrte, sagte er: ‚Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.‘ Das Ziel des Lebens ist es nicht nur, in den Himmel zu kommen. Das Ziel deines Lebens ist es, den Himmel auf die Erde zu bringen. Ganz besonders für jene, die an der Hölle leiden – gerade jetzt. Da gibt es so viel Schmerz da draußen, so viel Leiden, so viel Depression und Einsamkeit... Du wirst … gebraucht. Du wirst gebraucht, um … die Liebe Gottes zu bringen. Das ist der Sinn des Lebens. Das Ziel des Lebens ist es nicht, dieser Welt zu entfliehen. Gott hat keinen Fluchtplan zum Himmel. Gott hat einen Verwandlungsplan für diese Erde. Und du bist ein Teil davon.“
Die Erde verwandeln. Mit Jesus, der auf Erden gegenwärtig bleibt. Das hat auch politische Konsequenzen, nicht parteipolitische, aber konkrete, ethische und politische. Das wird momentan ja ausgiebig diskutiert. Es ist nicht alles mit dem christlichen Glauben vereinbar. Wenn es um Menschenwürde geht, um Solidarität, um Achtung vor dem Leben, um die Würde eines jeden Menschen, um die Ächtung des Krieges, dann ist unser Glaube klar. Auch dann, wenn einige etwas anderes behaupten und so tun, als ob der christliche Glaube mit dem Gegenteil vereinbar wäre.
Bischof Manfred Scheuer hat vor kurzem bei der Befreiungsfeier in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen Dietrich Bonhoeffer zitiert: „‘Der tyrannische Menschenverachter macht sich das Gemeine des menschlichen Herzens leicht zunutze, indem er es nährt und ihm andere Namen gibt: Angst nennt er Verantwortung, Gier heißt Strebsamkeit, … Brutalität zum Herrentum.‘ Unter den heiligsten Beteuerungen der Menschenliebe treibe die niedrigste Menschenverachtung ihr finsteres Geschäft.“
Deshalb: Wachsam bleiben. Politische Strategien durchschauen. Der Angstmache, der Abwertung, der verachtenden Sprache keinen Platz geben. Die Erde positiv wandeln. Denn: Unser Auftrag ist es, Gott bei der Verwandlung der Welt zu helfen.
Jakob Bürgler
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Datum: 14.05.2026
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