Kategorie:
Datum: 31.05.2026
Dreifaltigkeitssonntag
31. Mai 2026
Es gibt nur einen Gott. Das ist das große Bekenntnis des Volkes Israel, das umgeben ist von Völkern, die viele Götter verehrt haben. Es gibt nur einen Gott. Die erste Lesung hat das sehr eindrucksvoll geschildert. Mose steigt auf den Berg Sinai und begegnet dort Gott. Hörbar in einer Stimme: „Der HERR ist der HERR…“ (Ex 34,6)
Und dann kommt Jesus als der ersehnte Messias. Er sagt, dass er der Sohn Gottes sei, und dass niemand den Vater kenne, nur der Sohn. In ihm wird wie in einer Ikone Gott selber sichtbar. Und er lässt uns nicht allein. Er schickt uns einen Beistand. Den Geist. Den Heiligen Geist. „Er wird euch alles lehren“, sagt Jesus. Also: Wie geht das zusammen? Ein Gott. Vater, Sohn, Geist.
Eine Geschichte von Anthony de Mello: „Als das Schiff des Bischofs für einen Tag an einer fernen Insel anlegte, beschloss er, diesen Tag so gut wie möglich zu nutzen. Er schlenderte am Strand entlang und traf drei Fischer. Sie erklärten ihm, dass sie vor vielen Jahrhunderten von Missionaren christianisiert worden waren. „Wir Christen!“ sagten sie und zeigten stolz auf sich.
Der Bischof war beeindruckt. Kannten sie das Vaterunser? Davon hatten sie noch nie gehört. Der Bischof war schockiert. Wie konnten diese Männer behaupten Christen zu sein, wenn sie nicht etwas so Grundlegendes wie das Vaterunser kannten? „Was sagt ihr also, wenn ihr betet?“ „Wir heben Augen zum Himmel. Wir beten: Wir sind drei, du bist drei, mach uns frei!“ Der Bischof war bestürzt über dieses primitive, ja zutiefst ketzerische Gebet. So verbrachte er den ganzen Tag damit, sie das Gebet des Herrn zu lehren. … Und ehe der Bischof am nächsten Tag die Segel setzte, hörte er befriedigt, wie sie das Gebet fehlerfrei aufsagten.
Monate später passierte das Schiff des Bischofs zufällig wieder diese Insel. Als er auf dem Deck betend hin- und herging, erinnerte er sich mit Freude daran, dass es auf jener fernen Insel drei Männer gab, die dank seiner geduldigen Bemühungen nun korrekt beten konnten. Als er gedankenverloren aufblickte, sah er im Osten einen hellen Fleck. Das Licht kam auf das Schiff zu, und als der Bischof verwundert hinsah, erkannte er drei Gestalten, die sich auf dem Wasser dem Schiff näherten, … Als sie so nahe waren, dass man sie verstehen konnte, erkannte der Bischof seine drei Freunde, die Fischer.
„Bischof“, riefen sie, „wir so froh, dich zu sehen. Wir hören dein Boot an Insel vorbeifahren, wir schnell, schnell kommen, dich zu treffen.“ „Was wollt ihr?“ fragte der Bischof ehrfürchtig. „Bischof“, sagten sie, „wir sehr traurig. Wir vergessen schönes Gebet. Wir sagen: ‚Unser Vater im Himmel, geheiligt sei dein Name, dein Reich komme…‘ dann wir vergessen. Bitte sag uns ganzes Gebet noch einmal.“ Demütig sagte der Bischof: „Geht nach Hause zurück, gute Leute! Und sagt, wenn ihr betet: „Wir sind drei, du bist drei, mach uns frei!“
Wichtiger, als alles zu verstehen und zu begreifen, ist es, Gott zu vertrauen. Ihm zu begegnen. Ihn wirken zu lassen. Dazu zwei Gedanken, bezogen auf diese Geschichte und auf Gott.
Wir sind drei oder: Gott ist Gemeinschaft
Jesus wird nicht müde, Menschen zu sammeln, sie in eine Gemeinschaft einzubinden, Tischgemeinschaft zu stiften, Menschen zu vernetzen und sie untereinander in Verbindung zu bringen. „Gemeinschaft“ zählt zum Kern seiner Verkündigung.
Und das gründet in seiner eigenen Erfahrung. Auch er ist kein Solist, kein „Einzelgänger“, keine einsame Gestalt. Er kommt von seinem Vater, er steht in steter Verbindung mit dem Vater, er geht wieder heim zum Vater. Und in ihm lebt und wirkt und atmet der Heilige Geist, der Geist Gottes. Gott ist nicht isoliert und beziehungslos. In Gott selber ist Beziehung und Gemeinschaft.
Das bedeutet: Gott, der in sich Beziehung und Gemeinschaft ist, er ist ein Orientierungsbild für alle, die mit ihm in Verbindung stehen. Niemand ist allein. Alle sind in einem Netzwerk. Alle sind verbunden, bis hinein in Gott.
Mach uns frei oder: Gott ist Liebe
Nikodemus kommt zu Jesus. Er ist ein Mann, der nachdenkt und nachforscht, der sich nicht mit Oberflächlichkeit und einfachen Botschaften und Antworten zufriedengibt. Er möchte verstehen. Er ist ein Suchender. Nikodemus kommt in der Nacht zu Jesus.
In dieses nächtliche Gespräch hinein ist der Text des heutigen Evangeliums verortet. Es geht um den Kern der Frohen Botschaft, um ein „Evangelium“ in Reinkultur. „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Joh 3,16) „Wurzel“ für Jesu Kommen in die Welt und für sein Wirken unter den Menschen ist die Liebe. Die Liebe treibt den Vater an – und Jesus. Die Liebe ist so groß, dass alles aus Hingabe geschieht. Jesus verschenkt sich, er gibt sich hin – aus Liebe.
Jakob Bürgler