Matthäus: Seine Berufung und was sie von Jesus zeigt

Kurz und bündig. In and out. Heilung. Drei Gedanken, die bei der Berufung des Matthäus offenkundig werden. Gedanken dazu von Unipfarrer Jakob Bürgler findest du hier.

10. Sonntag im Jahreskreis

7. Juni 2026

Matthäus wird von Jesus berufen. Eine eindrucksvolle Geschichte. Aber: Die Evangelien erzählen wenig von diesem Matthäus. Nur zwei Mal kommt er mit diesem Namen vor, und zwar im Matthäusevangelium: Bei seiner Berufung und in der Liste der zwölf Apostel. Im Markus- und im Lukasevangelium hat er den Namen Levi. Er ist Zöllner, und das war’s dann auch schon.

Interessant ist, wie die Person des Matthäus in der neuesten Verfilmung des Lebens Jesu „The Chosen“ dargestellt wird – nämlich als Mann mit autistischen Zügen. Matthäus ist Zöllner, und weil er ständig mit Geld zu tun hat, ist er ein Zahlenmensch. Er ist hochintelligent. Er interessiert sich vor allem für Fakten. Aber wenn es um die soziale Seite des Lebens geht, um Gefühle, dann merkt man: Das ist nicht seine Stärke. Im Job „funktioniert“ er, aber ansonsten ist er „abgeschnitten“. Er wird ausgegrenzt und ignoriert. Ein einsamer Mensch.

Auf diesen Matthäus geht Jesus zu. Und was dann passiert, könnte man mit drei Stichworten beschreiben: Kurz und bündig. In and out. Heilung.

Kurz und bündig

Wie die Heilige Schrift Berufungen beschreibt, ist schon etwas eigenartig. Da kommt ein Ruf, und wie der Donner auf den Blitz folgt die positive Antwort. Jesus sagt zu Matthäus: „Folge mir nach! Und Matthäus stand auf und folgte ihm nach.“ (Mt 9,9) Impuls und Wirkung. Kurz und bündig.

Natürlich spielt das Leben anders. Da gibt es neben der Begeisterung und der Zustimmung auch viele Überlegungen, Zweifel, Fragen. Letztlich geht es um diese beiden Dinge: Gerufen werden und gehen. Die Berufungsgeschichten „bringen die Sache auf den Punkt: Jesus ruft, und Matthäus lässt alles liegen und stehen und folgt aufs Wort.“[1]

Was ist entscheidend? Was steht im Mittelpunkt? Nicht eine Idee, sondern ein Mensch. Nachfolge bedeutet, Jesus nachfolgen. Und dieser Jesus ist so einzigartig, dass es um alles oder nichts geht. Mit ganzem Herzen. Auch das ist kurz und bündig: Mit ganzem Herzen. Oder eben nicht. Eine „lauwarme“ Mahlzeit lockt niemanden zu Tisch. Es geht um das Feuer des Herzens.

In and out

„Wen beruft Jesus da? Zoll- und Mautkassierer waren in Isael als Kollaborateure mit den Römern verschrien. Sie leben, dachte man, von dunklen Geschäften. Dem Gesetz notorisch untreu, galten sie als kultisch unrein. Die bürgerlichen Ehrenrechte waren ihnen versagt. Jesus beruft also einen krassen Außenseiter. Der wird einer von denen, die dazugehören zum Kreis der Zwölf.“[2]

Vom Out zum In. Vom Outsider zum Insider. Jesus sucht seine Jünger und Freunde nicht nur bei denen, die in seiner Nähe sind oder die immer da sind. Bei den „Insidern“ sozusagen, bei denen, die dazugehören. Er weitet seinen Blick. Er schaut weiter. Wenn wir als Kirche Zukunft haben wollen, dann müssen wir diesen Blick lernen. Wo sind die, die nicht da sind? Wie können „Outsider“ zu „Insidern“ werden? Wie können wir jenen, die – symbolisch gesprochen – gerade ihr Geld zählen, die Schönheit und die Relevanz des Glaubens zeigen?

Heilung

Noch einmal zurück zu der Person des Matthäus in „The Chosen“: Matthäus – ein hochintelligenter, klarer und logischer Denker. Aber in seiner Persönlichkeit eingeschränkt: Sozial schwach und ausgeschlossen, einsam.

Was tut Jesus? Er sieht ihn. Er versteht ihn. Er nimmt ihn an. So kann Matthäus innerlich reifen und wachsen, heil werden, ein anderer Mensch. Die Berufung durch Jesus bedeutet für Matthäus die Heilung dessen, was in seinem Herzen wund ist. Jesus ist da ein echter Fachmann. So können Menschen zu neuen Menschen werden.

Unsere Aufgabe ist die gleiche: Den anderen Menschen wirklich sehen, wahrnehmen. Den anderen Menschen in all dem, was sein Leben ausmacht und prägt, zu verstehen versuchen. Und ihn annehmen. Wenn wir erfahrbar werden als Hilfe zur „Heilung“, dann brauchen wir uns um die Zukunft der Kirche keine Sorgen zu machen.

Kurz und bündig. In and out. Heilung. Es geht um die Person Jesu, die die Außenstehenden hereinholt und sie in seiner Barmherzigkeit wachsen und reifen lässt. Machen wir es wie unser Herr Jesus.                                                                                                        

Jakob Bürgler

[1] Franz Kamphaus, Tastender Glaube. Patmos 2017, 119.

[2] Ebd. 119-120.

Kategorie:

Datum: 07.06.2026

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