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27. Sonntag im Jahreskreis
4. Oktober 2026
Firmung von jungen Erwachsenen
Dom zu St. Jakob
Für mich stecken im Evangelium und in der Lesung, einem Text des Propheten Jesaja, drei wichtige Punkte für unser christliches Leben heute. Dazu drei Worte: Erfahren. Tun. Glauben.
Erfahren
Gott ist ein Gott der Liebe, ein Gott der Zuneigung. Das Evangelium erzählt, wie der Gutsbesitzer, im Gleichnis ein Bild für Gott, einen schönen Weinberg anlegt, einen Schutzzaun und einen Turm baut, eine Kelter aushebt. Alles bereitet er sorgsam für jene vor, denen er seinen Besitz anvertraut – also uns. Noch schöner beschreibt es Jesaja: „Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe. Er grub ihn um und entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit edlen Reben. Er baute in seiner Mitte einen Turm und hieb zudem eine Kelter in ihm aus.“ (Jes 5,2) Also: Gott müht sich mit seiner ganzen Zuneigung und Zärtlichkeit darum, dass es denen, die im Weinberg wohnen und arbeiten, gut geht. Sogar die Steine entfernt er. Alles ist liebevoll bereitet.
Das ist der Kern unseres christlichen Glaubens: Wir glauben an einen Gott, der die Menschen gern hat, dich und mich, der uns zu einem guten Leben führen will, der unser Leben reich und schön machen will, der nicht Konkurrent oder Neider ist, sondern Liebhaber des Lebens. Er ist ein barmherziger und liebevoller Ermöglicher von Leben. Und wer ihn entdeckt, der gewinnt ein Plus in seinem Leben.
Ihr, liebe Firmkandidat:innen, habt diesen „Impuls“ der Liebe Gottes erlebt, erfahren. Ihr seid angerührt worden von Gott. Diese Erfahrung liegt am Grund und bildet die Wurzel der heutigen Firmung.
Tun
Das wunderschöne und positive Bild des liebevoll angelegten Weinbergs wird überschattet von den Erfahrungen von Gewalt und Bosheit. Knechte werden verprügelt, gesteinigt und umgebracht, der Sohn wird „ausradiert“. Wenn es ums Erben geht, dann gibt es manchmal keine Gnade, kein Pardon.
Was für mich auffällig ist: Lesung und Evangelium antworten auf das Misslingen der guten Absicht des Gutsbesitzers unterschiedlich. Der Prophet Jesaja macht mit eindrücklichen Worten deutlich, dass auf das Verhalten des Volkes Rache folgt: Die schützende Hecke wird entfernt, die Mauer eingerissen, Dornen und Disteln ersticken alles, es gibt keinen Regen. Dieses Verhalten wird Gott zugeschrieben. Unrecht wird mit Gewalt beantwortet. Im Evangelium ist es anders: Da gipfelt die Erzählung im Tod des Sohnes – gekleidet in das Bild des Ecksteins, der verworfen wird. Einerseits ist es der Höhepunkt der Gewalt, andererseits wird es zur Antwort Gottes auf die erfahrene Gewalt.
Wie mit Gewalt und Unrecht umgehen? Wie antworten auf die Erfahrung, dass das Gute und Schöne im Leben so oft bedroht ist und auch zerstört wird durch bittere Erfahrungen des Unrechts und des Bösen? Die Antwort Gottes: Er verschenkt sein Leben. Er geht den Weg der Liebe und der Versöhnung, bis es weh tut. Er schlägt nicht zurück.
Ihr, liebe Firmkandidat:innen, habt in den letzten Monaten intensiv darüber nachgedacht, was es heißt, als Christin oder Christ zu leben, christlich zu handeln, den Glauben zu „tun“. Und ihr wollt euer Tun am Tun Jesu ausrichten.
Glauben
Jesus ist der Eckstein. „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden.“ (Mt 21,42) Was ist ein Eckstein? Ein Eckstein ist der Punkt, an dem alles Maß nimmt, von dem aus gebaut wird, der Stein, der Orientierung schenkt und Ausrichtung. Das Evangelium sagt: Ihr könnt auf diesen Eckstein vertrauen, auch wenn die Menschen ihn nicht erkennen oder ablehnen. Er ist der Eckstein und er bleibt der Eckstein.
Ihr, liebe Firmkandidat:innen, gebt heute ein Zeugnis für euren Glauben. Ihr sagt öffentlich: Wir wollen unser Leben am Eckstein „Jesus“ ausrichten. Wir orientieren uns an ihm und an seinem Wort. Danke für euer Glaubenszeugnis!
Als Christinnen und Christen ist es unsere zentrale Aufgabe, uns auf den Eckstein auszurichten, von ihm her unser Leben zu gestalten, nicht „jesus-vergessen“ zu leben. Es geht darum, die Freundschaft mit Jesus Schritt für Schritt zu vertiefen.
Das Bild vom Weinberg ist wunderschön. Ein Bild der Lebensfülle und der Lebensfreude. Aber es fordert auch: In der Liebe, in der Hingabe unseres Lebens, in der Orientierung am Eckstein Jesus. Gott möge uns alle dazu stärken.
Jakob Bürgler
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Datum: 04.10.2026
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